Die Geburt eines Kindes bringt viel Freude – aber auch organisatorische und finanzielle Entscheidungen, die oft unterschätzt werden. Besonders rund um Karenz, Kinderbetreuungsgeld und Zuverdienstgrenzen gibt es klare Regeln und Fristen, die man kennen sollte. Wer sich früh informiert, vermeidet Stress und finanzielle Überraschungen. Wir haben dir die wichtigsten Informationen zusammengefasst und häufige Begriffe erklärt.
Karenz, Elternzeit & Kinderbetreuungsgeld – die wichtigsten Unterschiede
Karenz
Die Karenz ist eine arbeitsrechtliche Freistellung bis maximal zum 2. Geburtstag des Kindes.
Achtung: Das bedeutet, dass du am 2. Geburtstag des Kindes wieder arbeiten musst - plane dies frühzeitige ein und hebe dir eventuell noch etwas Resturlaub auf.Meldung beim Arbeitgeber bis spätestens 8 Wochen nach der Geburt
Kinderbetreuungsgeld (KBG)
Finanzielle Leistung der Krankenkasse
Zwei Systeme: pauschales KBG-Konto oder einkommensabhängiges KBG
Anspruchsdauer je nach Modell unterschiedlich
Antragstellung bei der Krankenkasse, nicht beim Arbeitgeber
Elternzeit
Deutscher Begriff
In Österreich nicht offiziell verwendet, aber häufig synonym zu Karenz genutzt
Häufige Irrtümer – und was wirklich gilt
„Karenz und Kinderbetreuungsgeld beantrage ich gemeinsam.“
Nein. Karenz läuft über den Arbeitgeber, Kinderbetreuungsgeld über die Krankenkasse.
„Ich kann später alles noch ändern.“
Nur eingeschränkt. Besonders beim Kinderbetreuungsgeld ist die gewählte Variante nach Antragstellung weitgehend bindend. Solltet ihr die Karenz aufteilen wollen, müssen beide Elternteile die gleiche Variante beantragen.
„Das Geld kommt automatisch.“
Nein. Ohne Antrag gibt es keine Auszahlung. Den Antrag kannst du auch online erledigen.
„Die Karenzzeit und der KGB-Bezug müssen gleich lang sein."
Das stimmt nicht. Die genauen Details liest du etwas weiter unten.
Familienbeihilfe 2026 – fixe staatliche Unterstützung für alle Eltern
Die Familienbeihilfe bleibt 2026 unverändert auf dem Niveau von 2025. Die Auszahlung erfolgt monatlich spätestens am 8. des Monats. Gut zu wissen: In Österreich gibt es seit Einführung der antragslosen Familienbeihilfe keine Pflicht mehr, bei der Geburt eines Kindes einen Antrag zu stellen.
Monatliche Beträge:
ab Geburt: € 138,40
ab 3 Jahren: € 148,00
ab 10 Jahren: € 171,80
ab 19 Jahren: € 200,40
Zusätzlich wird automatisch zur Familienbeihilfe der Kinderabsetzbetrag von € 70,90 pro Monat und Kind ausbezahlt
Je mehr Kinder du hast, desto höher ist der Zuschlag bei der Geschwisterstaffelung (z. B. € 8,60 bei zwei Kindern).
Familienbonus Plus – Mehr Geld für Familien
Zusätzlich gibt es in Österreich den Familienbonus Plus. Damit kannst du deine Steuerlast spürbar senken - je nach Variante entweder monatlich oder als Gesamtbetrag.
Was bringt’s?
Für Kinder unter 18 Jahren: bis zu € 2.000 pro Jahr
Für Kinder über 18 Jahren: bis zu € 700 pro Jahr
Voraussetzung: Du bekommst Familienbeihilfe für das volljährige Kind, weil es in Ausbildung ist oder studiert.
Wie beantragen?
Direkt über den Arbeitgeber – mit dem Formular E30, dann wird der Bonus gleich monatlich bei deinem Gehalt berücksichtigt. Achtung: Gib unbedingt bei der Arbeitnehmerveranlagung an, dass du den Familienbonus Plus über deinen Arbeitgeber bekommst.
Oder über die Arbeitnehmerveranlagung ( Steuerausgleich) – mit dem Formular L1k, wenn du den Gesamtbetrag auf einmal ausbezahlt haben willst.
Extra-Tipp:
Wenn du wenig Lohnsteuer zahlst, kannst du den Kindermehrbetrag als zusätzliche Unterstützung beantragen.
Kurz gesagt: Der Familienbonus ist eine schnelle Möglichkeit, mehr Geld im Familienbudget zu behalten – ohne komplizierte Tricks. Einfach online beantragen und profitieren!
Partnerschaftsbonus: Unterstützung für fair geteilte Betreuung
Der Partnerschaftsbonus belohnt Eltern, die sich die Kinderbetreuung wirklich partnerschaftlich aufteilen. Wenn beide Elternteile das Kinderbetreuungsgeld fast gleich viel beziehen – also im Verhältnis 50:50 bis maximal 60:40 – und mindestens je 124 Tage lang, erhalten sie nach dem Ende ihres Bezugs jeweils € 500 als einmalige Zahlung. Zusammen macht das € 1.000 extra für die Familie.
Der Antrag kann direkt gemeinsam mit dem Kinderbetreuungsgeld gestellt werden, aber auch später – wichtig ist nur, dass er innerhalb von 124 Tagen nach dem letzten möglichen Bezugstag eingebracht wird. Achtung: Wenn sich später herausstellt, dass das Kinderbetreuungsgeld nicht rechtmäßig bezogen wurde (z. B. wegen Überschreitung der Zuverdienstgrenze) und dadurch die Aufteilung nicht mehr den Vorgaben entspricht, muss der Partnerschaftsbonus von beiden Elternteilen zurückgezahlt werden.
Finanzielle Fakten, die du 2026 kennen solltest
1. Geringfügigkeitsgrenze und Zuverdienstgrenzen 2026
Während der Karenz ist eine geringfügige Beschäftigung erlaubt. Die Grenze liegt 2026 bei € 551,10 pro Monat.
Die Zuverdienstgrenzen unterscheiden sich je nach Modell:
Pauschales Kinderbetreuungsgeld:
Zuverdienstgrenze = 60 % des Einkommens des letzten Kalenderjahres (mindestens die Geringfügigkeitsgrenze)Einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld:
Zuverdienstgrenze = € 7.800 pro Jahr (gesetzlich fixiert)
2. Dauer des Kinderbetreuungsgeldes (KBG) und der Karenz
Einkommensabhängiges KBG:
maximal 12 Monate für den Elternteil, der alleine die Karenz übernimmt
maximal 14 Monate, wenn der zweite Elternteil mindestens 2 Monate der Karenz übernimmt
Pauschales KBG-Konto: flexibel zwischen 365 und 851 Tagen pro Elternteil (abhängig von der gewählten Variante)
Für jedes Kind hast du bis zum 2. Geburtstag des Kindes Anspruch auf Karenz.
Was du unbedingt VOR der Geburt klären solltest
Wer wie lange in Karenz geht
Welche KBG‑Variante zur eigenen Lebenssituation passt
Wie hoch das verfügbare Haushaltsbudget während der Karenz ist
Welche Versicherungen weiterlaufen müssen
Ob Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben vorhanden sind
Ob ein gemeinsames Haushaltskonto sinnvoll ist
Checkliste: Die wichtigsten Schritte
Karenz rechtzeitig beim Arbeitgeber melden (spätestens 8 Wochen nach der Geburt)
KBG‑Variante auswählen und Antrag bei der Krankenkasse einreichen
Zuverdienstgrenzen prüfen
Budget für die ersten 12–24 Monate planen
Rücklagen für größere Ausgaben bilden
Warum ein gutes Konto in der Karenz hilft
Wenn sich das Einkommen verändert, ist Transparenz besonders wichtig. Ein übersichtliches Konto – ob ihr euch ein praktisches Gemeinschaftskonto einrichtet oder bei euren getrennten Konten bleibt – erleichtert den Familienalltag sehr.
Denn so habt ihr immer einen guten Überblick über die Planung eurer Fixkosten und behaltet die Kontrolle über variable Ausgaben. Gerade in der Babyzeit unterschätzen viele die Kosten für Drogerie-Einkäufe oder Apothekenartikel. Achtet unbedingt darauf, weiterhin Rücklagen zu bilden, auch wenn ihr eure Sparquote vermutlich etwas anpassen müsst.
Kurz gesagt: Eine gut organisierte Finanzplanung erleichtert die finanzielle Abstimmung zwischen beiden Elternteilen und ihr habt den Kopf frei für die - in diesem Moment - wichtigeren Dinge im Leben.
Fazit
Die Karenz ist eine wertvolle Zeit, die man möglichst entspannt genießen möchte. Wer die wichtigsten Fristen, Grenzen und finanziellen Rahmenbedingungen kennt, startet deutlich sicherer in diesen neuen Lebensabschnitt. Gute Vorbereitung ist hier tatsächlich die halbe Miete. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Gute für diesen neuen Lebensabschnitt! ❤️
Wenn du dich noch genauer informieren möchtest, findest du aktuelle und verlässliche Details direkt bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) sowie bei der Arbeiterkammer (AK).












